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Detlef Koenig (54) ist seit September 2011 Geschäftsführer der neuen Dachgesellschaft der Evangelischen Krankenhäuser in Bergisch Gladbach und Köln-Weyertal. Über Synergien, Herausforderungen und Pläne sprachen Birgit Eckes und Guido Wagner mit dem Holding-Geschäftsführer.
Von Bergisch Gladbach aus führt Detlef Koenig die Geschäfte der Holding. Er kennt das Haus gut: Bis August 2011 war er ehrenamtlich Vorsitzender des EvK-Aufsichtsrats. (Foto: Daub)
RHEIN-BERG - Wenn Unternehmen kooperieren oder sich zusammenschließen, ist häufig von Synergieeffekten die Rede, mit denen sich Einsparungen erzielen lassen. Wo sehen Sie Synergieeffekte bei der Gründung der Evangelischen Kliniken Rheinland?
Das Ziel von Synergien sehe ich bei uns gar nicht so sehr in der Kostenreduktion, sondern vor allem in einer Professionalisierung, mit der wir uns als Krankenhausträger den zunehmenden Herausforderungen anpassen. Wir sind auf dem Weg, unser gemeinsames Marketing, aber auch das Personalmanagement, zu optimieren. So organisieren wir jetzt eine gemeinsame Aus- und Weiterbildung und den Einkauf. Natürlich muss das erst einmal in den Köpfen ankommen, dass wir jetzt ein Unternehmen sind.
Werden künftig Kölner Patienten in Gladbach behandelt und umgekehrt?
Nein, bei allem, was wir in Kooperation angehen, stellen wir uns zuerst die Frage: Geht es gemeinsam besser? Und – ganz wichtig – entspricht das unserem Auftrag als evangelischer Krankenhausträger? Dazu gehört, auf jeden Fall ein sehr gutes Gesundheitsangebot vor Ort zu haben. Hier in Gladbach galt ohnehin immer schon, dass wir am Quirlsberg ein Komplettangebot für die Menschen vorhalten: von der Wiege bis zur Bahre.
Heißt das also, dass es keine Entlassungen gibt, obwohl die beiden Krankenhäuser jetzt Aufgaben gemeinsam angehen? Ja. Eher stellen wir neue Leute ein, beispielsweise einen IT-Leiter zur Betreuung eines neuen Krankenhausinformationssystems, in das wir 1,5 Millionen Euro investieren werden – aber eben nur einen für beide Häuser. Das ist der Vorteil der Holding. Und wir haben auch anderweitig neue Arbeitsplätze geschaffen, zehn alleine bei dem ambulanten Wohnprojekt für Menschen mit Demenz. Derzeit investieren Sie in ein neues Ärztehaus am Krankenhaus auf dem Quirlsberg.
Ja, allerdings sprechen wir eher von einem Funktionsgebäude mit Ärztehaus, ein Feinkonzept für die genaue Nutzung wird erst im Laufe des Sommers fertig sein. Aber sicher ist es sinnvoll, die bereits am Krankenhaus tätigen niedergelassenen Ärzte dort anzusiedeln. Damit passen wir uns auch an veränderte Herausforderungen an. Viele Eingriffe werden heute ambulant gemacht, der Neubau bei uns bietet aber für die Ärzte dabei stets die Sicherheit, das Krankenhaus im Rücken zu haben. Das Gebäude, das Ende des Jahres fertig sein soll, ist auch nicht unser letztes Bauprojekt auf dem Quirlsberg.
Was steht danach an?
2013 wollen wir einen neuen Bettentrakt in Richtung der Straße „An der Jüch“ angehen, allerdings ohne dadurch unsere Gesamtbettenzahl von 370 zu erhöhen. Wir werdendie Unterbringungssituation verbessern und mehr Einzelzimmer schaffen. Damit passen wir uns dem Bedarf unserer Patienten an. Wir investieren nicht nur in Steine, sondern in Menschen – auch wenn das auf der Kostenseite ein ewiges Hase- und Igel-Spiel ist. Außerdem müssen wir das Helmut-Hochstetter-Haus in 2013/14 renovieren und umbauen. Die 110 Plätze wollen wir dabei erhalten. Ist so eine große Einrichtung noch zeitgemäß? Mit Eröffnung einer Demenz-WG in Bensberg haben Sie in der Altenpflege zuletzt auf kleinere Einheiten gesetzt. Es wird immer mehr verschiedene Formen der Altersversorgung geben – das ist ein Thema, das uns zunehmend beschäftigen wird. In einem Einzugsgebiet wie Bergisch Gladbach sind 110 Plätze gewiss angemessen. Gleichzeitig geht der Trend zu kleinen, familiären Einheiten. Beides hat seine Existenzberechtigung.
Das in Bechen geplante Seniorenheim soll 80 Plätze haben. Haben Sie noch Interesse, die Einrichtung zu übernehmen?
Nein, das passt nicht mehr in unser Konzept und wird zudem für uns nicht wirtschaftlich zu betreiben sein.
Auch vor der Holding-Gründung gab es ja bereits Kooperationen mit Kliniken hier vor Ort. Werden die durch den neuen Verbund überflüssig?
Keineswegs, bestehende Kooperationen bleiben: die gemeinsame Krankenpflegeschule mit dem Krankenhaus Wermelskirchen, die Apotheke mit dem Kalker Krankenhaus oder auch die Kooperationen mit dem Marien-Krankenhaus, etwa bei der gemeinsamen Aktion „Bergisch Gladbach gegen Schlaganfall und Herzinfarkt“. Diese Vernetzung ist für die Menschen hier vor Ort ganz wichtig. Nein, wir werden auf Holding-Ebene vielmehr sehen, wo wir zu besseren Ergebnissen kommen, wenn wir die Felder gemeinsam bearbeiten.
Denken Sie an eine weitere Ausweitung des Klinikverbundes?
Natürlich haben wir schon den Namen „Evangelische Kliniken Rheinland“ weit gefasst, aber wir suchen nicht zwanghaft weitere Partner. Und schon gar keine Übernahmekandidaten. Ganz konkret: Haben Sie in Ihren ersten 100 Tagen im Amt schon Gespräche mit weiteren potenziellen Partnern geführt? Ich habe eine ganze Reihe von Kennenlern-Gesprächen geführt. Aber die Holding ist kein Selbstzweck, sondern soll die Zukunft unserer Krankenhäuser langfristig sichern.
Wie sehen Sie diese Zukunft?
Ich sehe nicht, wie man bei der medizinischen Versorgung essenziell wird sparen können. Im Gegenteil, die Herausforderungen der Zukunft sind immens – schon durch die demografische Entwicklung. Hinzu kommt: Die Mobilität der Patienten wächst. Da muss man Topqualität bieten. Meine persönliche Meinung ist: Es muss mehr Geld in das Gesundheitssystem, wenn wir den medizinischen Standard in diesem Land halten wollen. Und: Die Eigenverantwortung in jungen Jahren für die Versorgung im Alter muss größer werden, das heißt mehr private Vorsorge für bestimmte Leistungen.
Quelle: rundschau-online.de am 26.01.12 |